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Internationale Polarexpedition MOSAiC – Ein Jahr eingefroren im Eis der Arktis

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Im Herbst 2019 startet die internationale Polarexpedition MOSAiC (Multidisciplinary drifting Observatory for the Study of Arctic Climate), um einen noch wenig erforschten Teil unseres Planeten genauer unter die Lupe zu nehmen – die Arktis.

Polarstern
Polarstern© Alfred-Wegener-Institut / Stephan Schön, Sächsische Zeitung

Bereits vor über 125 Jahren ließ sich der norwegische Polarforscher Fridtjof Nansen mit dem Expeditionsschiff Fram im arktischen Packeis einfrieren. Er versuchte, mit Hilfe der transpolaren Eisdrift den Nordpol zu erreichen.

Inspiriert von dieser Expedition, wurde MOSAiC als Driftexperiment geplant. Ein Jahr lang wird das deutsche Forschungsschiff Polarstern umgeben von Packeis durch die Arktis driften und Daten über die nördlichste Region der Erde sammeln. 17 Nationen, 60 Institutionen und hunderte von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sind beteiligt – darunter auch  deutsche und russische Institute sowie Forscherinnen und Forscher.

MOSAiC verspricht ein anschauliches Beispiel für die enge deutsch-russische Kooperation im Wissenschaftsbereich zu werden. Sowohl bei der Forschung als auch bei der aufwändigen Logistik werden die leitenden Forschungsinstitute, das deutsche Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) und das russische Arctic and Antarctic Research Institute (AARI), als Partner zusammen arbeiten und forschen.

Ende September 2019 startet die Polarstern vom norwegischen Tromsø aus in Richtung des ost-sibirischen Meereises und lässt sich dort im Packeis einfrieren. Umschlossen vom Eis legt das Schiff dann mit Hilfe der transpolaren Drift eine Strecke von ca. 2.500 km zurück. Die Fahrt führt erst Richtung Nordpol und endet dann voraussichtlich ein Jahr später im September 2020 in der Framstraße zwischen Grönland und Spitzbergen. Auf der Eisscholle um die Polarstern herum wird ein Forschungscamp aufgeschlagen, das mit einem kilometerweiten Netz von Messstationen verbunden wird. Außerdem soll eine temporäre Eislandebahn entstehen, die im Frühjahr 2020 für die Zu- und Abgänge der Teilnehmenden sowie für die Versorgung der Expedition zum Einsatz kommen soll, wenn die Region für Schiffe unzugänglich ist.

Ziel des Forschungsprojektes ist es, den Einfluss der Arktis auf das globale Klima besser zu verstehen und neue Einblicke in die Austauschprozesse zwischen Ozean, Eis und Atmosphäre zu gewinnen. Die Forschungsschwerpunkte sind die Physik des Meereises und der Schneeauflage, Prozesse in der Atmosphäre sowie im Ozean, biogeochemische Kreisläufe und das Ökosystem der Arktis. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden Eis- und Schneeproben nehmen und unterschiedliche Messwerte aufzeichnen.

Die Forschungsergebnisse dieser Expedition sollen dazu beitragen, in Zukunft genauere Wettervorhersagen zu treffen sowie die Konzentration von Meereis und zukünftige klimatische Bedingungen besser vorherzusagen. Denn aktuell ist die Arktis noch der größte Unsicherheitsfaktor bei Klimaprojektionen. Der Bedarf nach genaueren Projektionen ist gleichzeitig aber groß. Sie sollen der Planung der ökonomischen Entwicklung der Arktis sowie der Einschätzung des Effekts dieser Entwicklung auf das Klima und das Ökosystem dienen. Die Klimaprojektionen sind auch für die Ausarbeitung von Regulierungen für die zunehmende wirtschaftliche Aktivität in der Arktis und die Optimierung von Adaptions- und Mitigationsstrategien im Hinblick auf den Klimawandel wichtig.

Polarstern
Polarstern© Alfred-Wegener-Institut/Stefan Hendricks

Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft des International Arctic Science Committee (IASC). Neben der knapp 50-köpfigen Besatzung der Polarstern werden sich in sechs jeweils zweimonatigen Fahrtabschnitten jeweils gut 50 Forscherinnen und Forscher auf dem Schiff befinden. Im Hintergrund arbeiten viele weitere Menschen mit, um die Expedition zu realisieren.

Auch wenn der wichtigste Partner für das AWI auf russischer Seite das AARI ist, geht die Unterstützung für die Expedition von russischer Seite aus noch viel weiter. MOSAiC wurde zwischen dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem russischen Wissenschaftsministerium (MON) abgestimmt, und die Expedition genießt die volle Unterstützung des russischen Wissenschaftsministeriums und der zuständigen Regierungsbehörde Roshdyromet. Auf der Polarstern mitreisende Forscher des AARI werden hauptsächlich zu dem Thema Meereis forschen.

Darüber hinaus spielt Russland aber noch eine wesentliche Rolle in der Logistik. Russland stellt unter anderem zwei der vier Eisbrecher, von denen die Expedition versorgt wird: den Forschungseisbrecher Akademik Fedorov und den kommerziellen Eisbrecher Admiral Makarov. Sollte es zu medizinischen Notfällen kommen, ist eine Evakuierung mit Hilfe russischer Hubschrauber über die russische Forschungsstation Mys (Kap) Baranowa auf der Bolschewik-Insel (Sewernaja Semlja) und weiter über Chatanga in der Region Krasnojarsk nach Moskau oder St. Petersburg geplant. Der Zu- und Abgang der Teilnehmenden erfolgt über dieselbe Route, sollte eine Landung auf der temporären Eislandebahn neben der Polarstern nicht möglich sein. Außerdem werden neben dem Depot auf Spitzbergen auch zwei Treibstoffdepots auf der Bolschewik-Insel eingerichtet.

Dank dieser umfangreichen Vorbereitung und der engen internationalen Zusammenarbeit verspricht MOSAiC nicht nur ein Meilenstein für die Polarforschung, sondern auch für die internationalen Beziehungen zu werden.

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