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Grußwort von Botschafter von Geyr anlässlich der Deutsch-Russischen Berufsbildungskonferenz „Auf dem Weg zur betrieblichen Ausbildung 4.0?“

Botschafter von Geyr

Botschafter von Geyr, © AHK Moskau

13.10.2021 - Rede

Herr Knoll,
Herr Lettner,
Herr Minister,
Herr Böck,
Liebe Auszubildende, Eltern und Ausbilder,
sehr geehrte Gäste,

Dank dem Hausherrn, Mercedes, für die Einladung heute in den beeindruckenden Showroom.

Dank für die gute, enge Zusammenarbeit der Botschaft mit der Kammer - bei dieser Veranstaltung wie bei vielen anderen.

Die heutige Deutsch-Russische Berufsbildungskonferenz zählt auch zu den Höhepunkten des deutsch-russischen Themenjahres „Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung“.

Beim Themenjahr geht es um Nachhaltigkeit - Nachhaltigkeit des wirtschaftlichen Handelns in allen Bereichen, im Grunde des Tuns auf allen Politikfeldern schlechthin.

Nachhaltigkeit ist aktuell eine der zentralen Aufgaben der Politik in vielen, in immer mehr Ländern, auf allen Kontinenten und:  wird in Deutschland bestimmt einer der Schlüsselbegriffe der zukünftigen Bundesregierung.

Wichtig: Menschen spüren überall, so auch in Deutschland und Russland, immer mehr die Notwendigkeit nachhaltigen Wirtschaftens, an Nachhaltigkeit ausgerichteter Politik. Die Menschen sind mehr und mehr sensibilisiert.

So wird die Ausrichtung auf Nachhaltigkeit für die Wirtschaft, wie für die Politik immer interessanter, kann sich gewissermaßen doppelt auszahlen:
– in Unterstützung durch die Bevölkerung.
- Und in auch wirtschaftlich sinnvollen, langfristig angelegten, strategischen Ansätzen.

Mit Blick auf die deutsch-russischen Beziehungen kann dies Wirkung entfalten:
Bin überzeugt: Nachhaltigkeit hat das Potenzial, das verbindende Thema der Zukunft zu werden, und zwar in mehreren Bereichen:
Im Energiebereich, bei Klimafragen, bei Herausforderungen grenzüberschreitender Gesundheitspolitik, bei Infrastrukturfragen, um nur einige zu nennen.

Und: auch bei der Ausbildung.

So betrachtet bekommt unser heutiges Thema „Berufsbildung“ ein ganz erhebliches, zusätzliches Gewicht.

Wenn wir es schaffen, bei der Berufsausbildung den Aspekt der Nachhaltigkeit zentral zu verankern, dann setzen wir einen enorm wertvollen strategischen Markstein für das deutsch-russische Miteinander.

Und ich will ausdrücklich dazusagen:
Gerade wenn wir deutsch-russisch in einigen politischen Kernthemen keine einfachen Zeiten durchleben, müssen wir uns immer wieder klar vor Augen halten, dass es Bereiche gibt, in denen wir ein gemeinsames Interesse haben, langfristig, strategisch eng zusammenzuarbeiten.

Dazu gehört das gemeinsame Engagement in der Berufsbildung.

Dabei datiert die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland zur Berufsbildung bereits weit zurück. Auch die Pandemie hat sie nicht ausbremsen können. Viele Projekte und Austausche wurden auf online- oder hybride Formate umgestellt.

Mit dem Blick nach vorne werden wir es jetzt gewiss auch rasch schaffen, eine neue Absichtserklärung unserer Regierungen zur Berufsbildung unterschriftsreif zu machen. Sie wird dann für die nächsten Jahre Plattform für die vielen laufenden Projekte und Programme.

Für ein konkretes Projekt ist ein Kooperations-Memorandum punktgenau zum heutigen Tag gelungen. Freue mich, dass dies gleich von Mercedes, der AHK und dem Bildungsministerium des Moskauer Gebiets unterzeichnet wird.

Ich erwähne dieses Beispiel gerne, da es zeigt, was letztlich entscheidend ist: nämlich die Bereitschaft der Betriebe mitzumachen, mitzuziehen, in Berufliche Bildung zu investieren.
Viele deutsche Unternehmen und Betriebe hier in Russland tun dies.

Denn Berufliche Bildung ist ein zentraler Baustein, damit Produkte Qualität haben und halten.

Und Berufliche Bildung ist zentraler Baustein, für Fortschritt, für Innovationsfähigkeit. 
Der Erfolg der deutschen Automobilwirtschaft und des deutschen Maschinenbaus gründet nicht nur auf hervorragenden Ingenieurleistungen, sondern ebenso auf hervorragend qualifizierten Fachkräften in Produktion, Betrieb und Wartung.

Dies gilt genauso für andere Zukunftsbranchen:
Es hat gut Gründe, dass sich eines unserer deutsch-russischen Berufsbildungsprojekte mit der Entwicklung von Ausbildungskomponenten bei der Kreislauf- und Abfallwirtschaft befasst.

Denn Innovationen, substantielle Verbesserungen, eine tiefgreifende Modernisierung des Gesamtsystems - wie ja von der russischen Regierung angestrebt - wird auch hier eine fokussierte berufliche Qualifizierung der Fachkräfte brauchen.

Unsere heutige Konferenz wird diese Themen intensiv diskutieren. Das Thema lautet: „Auf dem Weg zur betrieblichen Ausbildung 4.0?“

Das klingt nicht nur nach „Industrie 4,0“, das zeigt vor allem den Anspruch:  man will sich mit Ausbildungsfragen auf höchstem und aktuellstem Niveau befassen – state of the art sozusagen.

Dabei wird sicher ebenso innovativ gedacht, wie zugleich das bewahrt, was gut und erprobt ist:
Nämlich die Erfahrung, dass Berufliche Bildung dann am wirksamsten ist, wenn sie praxisnah gestaltet und auch „on the job“ durchgeführt wird.

So ist die Berufsbildungskonferenz heute auch eine ausgezeichnete Möglichkeit zum Austausch der Erfahrungen von Unternehmen, die sich in der Berufsbildung engagieren – oder hier vielleicht auch neue Akzente setzen wollen.

Dabei ist auch die deutsch-russische Außenhandelskammer besonders engagiert. Ob mit Entwicklung regionaler Ausbildungsnetzwerke oder Informationspaketen für die Betriebe – ich kann dies als Botschafter nur mit Nachdruck unterstützen.

Ausdrücklich danken möchte ich auch den anderen deutschen Akteuren, die sich in engen Kooperationen mit ihren russischen Partnern engagieren: 
wie die Zentralstelle der Bundesregierung für internationale Berufsbildungskooperation (GOVET), das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), das Deutsche Zentrum für Luft– und Raumfahrt (DLR) als Projektträger des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), iMove Training made in Germany und das Goethe-Institut.

Zum Abschluss ein Aspekt, der mir besonders am Herzen liegt:Für junge Menschen ist in Russland wie in Deutschland eine gute berufliche Qualifizierung die beste Startrampe für die eigene berufliche Lebensgestaltung.

Deshalb freue ich mich sehr, dass wir nachher die jahrgangsbesten Auszubildenden und ihre Ausbilder auszeichnen werden.

Liebe Auszubildende: dank ihres Fleißes, ihrer Disziplin - und hoffentlich auch einer Menge Spaß in einer sehr interessanten Ausbildung - haben sie einen wichtigen Schritt in ihr Berufsleben gemacht – Bravo!

Dies wäre nicht möglich ohne die vielen engagierten Ausbildenden, die sie angeleitet und begleitet haben und ohne die Firmen, die sich aus Überzeugung um Berufliche Bildung kümmern.

Liebe Vertreterinnen und Vertreter der Ausbildungsbetriebe, liebe Ausbilderinnen und Ausbilder, ohne ihr professionelles, persönliches Engagement könnten wir heute keinen einzigen „Super– Azubi“ ehren. Für Ihr Engagement und ihre vorbildliche Arbeit danke ich auch Ihnen herzlich und ich freue mich, dass Sie heute mit-geehrt werden.

Als Jahrgangsbeste gratuliere ich Ihnen sehr herzlich. Sie können gemeinsam stolz auf sich sein.

Zugleich können Sie auch stolz sein auf die Idee, die dahintersteckt:
Die Investition in gemeinsame Ansätze bei der Berufsbildung ist eine ganz besondere Investition in eine gemeinsame Zukunft.

Genau dieser Grundüberzeugung folgt auch ein anderes Projekt der Botschaft und der Außenhandelskammer, das ich heute nur kurz erwähnen möchte, der „Kick Start“ wird in wenigen Tagen erfolgen:
„1000 Praktika“: anlässlich des gemeinsamen Themenjahres deutsche Unternehmen in Russland bieten jungen Menschen aus Russland 1000 Praktikums- und Ausbildungsplätze an.

Beides zeigt das den hohen Stellenwert den wir der Berufsbildung beimessen. Beides sind im beste Sinne Investitionen auch in Nachhaltigkeit.

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