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Ansprache zur Aufführung des Films Metropolis

Метрополис

Метрополис, © Colourbox.com

Rede

Am 29. Mai 2019 wurde im Rahmen des 11. Deutschen Filmfestivals in Nowosibirsk der Film „Metropolis“ im Haus der Wissenschaftler in Akademgorodok präsentiert.

Am 29. Mai 2019 wurde im Rahmen des 11. Deutschen Filmfestivals in Nowosibirsk der Film „Metropolis“ im Haus der Wissenschaftler in Akademgorodok präsentiert. Der Film wurde vom bekannten deutschen Pianisten, Carsten-Stephan Graf von Bothmer, begleitet.

 

Sehr geehrte Frau Direktorin des Hauses der Wissenschaft, liebe Galina Germanowa,

Meine sehr geehrten Damen und Herren Professoren,

Liebe Studentinnen und Studenten,

Meine Damen und Herren,

Wir werden Ihnen jetzt den – und jetzt zitiere ich – „albernsten Film zeigen. Ich glaube nicht, dass es möglich wäre, einen noch alberneren zu machen. Er heißt Metropolis, stammt aus den großartigen UFA-Studios in Deutschland, und man muss verstehen, dass er enorme Produktionskosten verschlungen hat. Er gibt eine turbulenten Konzentration aus fast jeder möglichen Blödsinnigkeit, Klischee, Plattitüde und Durcheinander über den mechanischen Fortschritt und Fortschritt im Allgemeinen, serviert mit einer ganz eigenen Sentimentalitätssauce.“

So hat, meine lieben Filmfreunde, H.G. Wells Metropolis in einer Kritik in der New York Times im Jahr 1927 beurteilt. Er stand nicht allein mit diesem Urteil. Weder Kritiker noch Zuschauer wertschätzten den Film, als er erstmals 1927 in Berlin präsentiert wurde. Ein Zitat aus dem Simplicissimus, Deutschlands führendem Satiremagazin der damaligen Zeit: „Nimm‘ zehn Tonnen Grausen, gieße ein Zehntel Sentimentalität darüber, koche es mit sozialer Empfindung auf und würze es mit Mystik nach Bedarf, misch‘ es mit Mark (sieben Millionen), und Du erhältst einen prima Kolossalfilm.“

Und warum tun wir Ihnen dies an, nach 92 Jahren? Die Wahrnehmung hat sich geändert. Heute wird Metropolis als der vielleicht wichtigste Film der deutschen Filmgeschichte angesehen. Es ist ein gigantischer Film hinsichtlich Kosten (fünf Millionen Reichsmark, Dauer der Produktion (310 Tage und sechzig Nächte) und Extras (27.000). UNESCO hat den Film in das Weltdokumentenerbe aufgenommen.

Metropolis ist ein Klassiker. Er hat alle Trends und Tendenzen des Zwanzigsten Jahrhunderts vorweggenommen: Die Ästhetik des technischen Zeitalters, die Herrschaft der Maschinen über den Menschen, die soziale Zerklüftung und die in die Katastrophe führende Radikalisierung, das Bedürfnis nach Vermittlung und Zusammenarbeit. Es ist ein Science Fiction, ein Horrorfilm und eine Liebesgeschichte, und vor allem ein Avantgarde-Film. Da blieb nicht viel übrig für nachfolgende Filmemacher! Wenn Du Metropolis gesehen hast, hast Du sie alle gesehen, die Filme des Zwanzigsten Jahrhunderts. Na gut, nicht ganz – denn es handelt sich ja nur um einen Stummfilm.

Aber – ist er wirklich stumm? Überhaupt nicht, jedenfalls heute Abend nicht, weil wir einen weltberühmten Stummfilmpianisten bei uns haben, Stephan Graf von Bothmer. Graf Bothmer komponiert Musik für Stummfilme und hat ein Repertoire für über sechshundert Stummfilme. Er kombiniert klassische und neue Musik mit Jazz und Pop und verbindet es mit den historischen Quellen der Stummfilmmusik.

Ich möchte mich ganz herzlich bei den beiden Firmen: bei dem Ersten Baufonds und bei der Sibirischen Getreideholding,  bedanken, deren großzügige Unterstützung entscheidend dazu beigetragen hat, dass wir die Reise von Graf Bothmer nach Sibirien realisieren konnten. Herzlichen Dank!

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