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Botschafter von Geyr zum Abschluss des Deutsch-Russischen Jahres der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2018-2020

Botschafter Dr. Géza Andreas von Geyr

Botschafter Dr. Géza Andreas von Geyr, © Nikita Markov

15.09.2020 - Interview

— Herr Botschafter, die Deutsche Botschaft hat die Umsetzung des deutsch-russischen Themenjahres vor Ort begleitet und unterstützt. Am 15. September wird es mit einer Abschlussveranstaltung offiziell beendet. Was ist Ihre Bilanz zum Abschluss des 4. bilateralen Themenjahres?

Ich ziehe eine äußerst positive Bilanz. Deutschland und Russland verbindet eine lange Tradition der Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft und Forschung. Wir haben gemeinsam das Deutsch-Russische Jahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2018–2020 initiiert, um die Vielfältigkeit dieser Kooperation zu würdigen, um sie einer größeren Öffentlichkeit sichtbar zu machen, und um den weiteren Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Studierenden, Forschern und Lehrpersonal anzuregen. Dies ist gelungen. Die deutsch-russische Kooperation in Bildung, Wissenschaft und Forschung war und bleibt ein besonders tragfähiger Pfeiler in den bilateralen Beziehungen.

Unter dem Dach des Themenjahres fanden über 100 Veranstaltungen in den verschiedensten deutschen und russischen Städten statt. Ich finde, das ist eine beeindruckende Zahl, die Initiative hat sehr viel Resonanz erfahren.  Wer mehr dazu wissen und an den Themen weiterarbeiten will, kann sich auf der zweisprachigen Webseite des Themenjahres informieren. Diese Dialogplattform bietet auch nach Abschluss des Jahres einen einzigartigen Überblick über die zentralen Akteure, die dort aus ihren gemeinsamen Projekten berichten und diese detailliert vorstellen.

An dieser Stelle möchte ich den Koordinatoren des Themenjahres und allen Beteiligten herzlich danken, insbesondere dem Deutschen Akademischen Austauschdienst, dem Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus und auf russischer Seite der Nationalen Universität für Wissenschaft und Technologie „MISiS“, die zusammen für die Webseite verantwortlich waren.

Kurz zusammengefasst ist mein Fazit: wenn Deutsche und Russen im Zeichen von Bildung, Wissenschaft und Forschung zusammenkommen, kommt etwas Gutes dabei heraus!

— Wie haben Sie das Themenjahr persönlich erlebt? Welche Projekte und Themen sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Deutsch-Russisches Jahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft
Deutsch-Russisches Jahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft© AA

Ich habe während des Themenjahres ungemein viel über die reiche Substanz unserer Kooperation erfahren. Deutschland und Russland arbeiten gemeinsam an so vielen faszinierenden Projekten. Um nur einige zu nennen: European XFEL, der größte Röntgenlaser der Welt, die größte jemals durchgeführten Arktis-Forschungsexpedition „MOSAiC“, das größte deutsch-russische Raumfahrtprojekt eROSITA zur Erstellung einer kompletten Himmelskarte. Projekte wie diese bringen nicht nur die Augen von Wissenschaftsbegeisterten zum Leuchten!

Besonders beeindruckt haben mich immer die Menschen, die hinter diesen Projekten stehen. Man denke nur an den deutschen Universalgelehrten Alexander von Humboldt, der vor langer Zeit mit seiner Sibirien-Reise eine Brücke nach Russland geschlagen hat, von welcher die Wissenschaft bis heute profitiert, und dessen 250. Geburtstag wir im vergangenen Jahr mit zahlreichen Konferenzen, auch unter dem Motto des Themenjahres, in Russland begangen haben.

Bei aller Begeisterung für Humboldt kann man ihn leider nicht mehr treffen! Seine Erben aber schon und viele von ihnen haben am Themenjahr teilgehabt. Unser wissenschaftlicher Nachwuchs forscht offen, engagiert und zukunftsorientiert gemeinsam und setzt sich nebenbei für die Kultur, die Sprache und die Geschichte des Partnerlandes ein. Die sogenannte „German-Russian Week of the Young Researcher“, die in verschiedenen russischen Regionen stattfindet, ist ein besonders eindrucksvolles Beispiel für die gemeinsame Nachwuchsförderung. Für  die Halbzeit-Veranstaltung des Themenjahrs sind über 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland angereist, eine bunte Gruppe, die für mich dafür steht, dass unsere Wissenschaftskooperation äußerst vielfältig ist, und dass jedes Projekt und jede Partnerschaft von engagierten und motivierten Menschen und deren Beziehungen untereinander getragen wird.
Deshalb: Der Kontakt zu den Menschen, die wir fördern, ist essentiell. Persönliche Kontakte sind weiterhin, auch in Zeiten von Corona, der Schlüssel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Thematisch empfand ich das Jahr als abwechslungsreich und niveauvoll. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland und Russland stellen sich gemeinsam den globalen Herausforderungen und schaffen Synergien, die es ermöglichen, Aufgaben effektiver und effizienter zu lösen. Die Bandbreite der Themen reichte von Weltraumforschung bis zu Nanotechnologien. 2019 haben wir uns besonders auf das Thema „Künstliche Intelligenz“ konzentriert. Dazu haben wir gemeinsam mit dem Deutschen Wissenschafts- und Innovationshaus Moskau, deutschen und russischen Forschungsorganisationen zwei große Veranstaltungen organisiert.
Die Covid-19-Pandemie stellt aktuell die Notwendigkeit der Zusammenarbeit in ein ganz neues Licht. Hier gibt es bereits gute Beispiele, auch etwa auf dem Weg zur Identifizierung eines Wirkstoffes gegen den Covid-19-Erreger.

— Bleiben wir beim Thema Covid-19-Pandemie. Die Corona-Pandemie ist auch für den wissenschaftlichen Austausch eine große Herausforderung geworden. Welche zentralen Auswirkungen hat sie auf das Themenjahr bzw. die Wissenschaftskooperation aus Ihrer Sicht?

Die Bekämpfung der Pandemie, die wirtschaftliche und soziale Stabilisierung haben in Deutschland oberste Priorität, auch für unsere EU-Ratspräsidentschaft. Damit wir – Europa – gestärkt aus der Krise kommen, muss der wissenschaftliche Austausch möglichst ungebremst weitergehen.

Ich bin sehr froh, dass unser wissenschaftlicher Dialog auch in Zeiten der Corona-Pandemie nie abgerissen ist, und dass flexible Lösungen und Formate gefunden werden konnten. Dafür danke ich vor allem den zahlreichen Außenstellen, Vertreterinnen und Vertretern deutscher Forschungsorganisationen vor Ort, die unter dem Dach des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses vereint sind.

Der Wettbewerb „Brücken für die deutsch-russische Hochschul- und Wissenschaftszusammenarbeit“ hat gerade während des Höhepunktes der Pandemie in unseren Ländern zu einem wunderbaren Ergebnis geführt, nämlich insgesamt 124 Bewerbungen von Gemeinschaftsprojekten. Dieser Erfolg zeigt, dass es dem Dialogformat „Themenjahr“ auch während dieser außergewöhnlichen Zeit gelungen ist, die deutsch-russische Wissenschaftspartnerschaft nicht nur zu stabilisieren, sondern nachhaltig als Ganzes zu vernetzen.

Durch eine „hybride Abschlussveranstaltung“ wird das Themenjahr einen würdigen Abschluss erhalten.

— Was würden Sie sich für die Zukunft der deutsch-russischen Beziehungen wünschen?

Das Jahr der Hochschulkooperation und Wissenschaft hat für die deutsch-russischen Beziehungen wertvolle Impulse geliefert. Diese müssen und werden wir weiter fördern. Es hat sich gezeigt, dass jeder, der sich für Deutschland, die deutsche Sprache und Geschichte, die deutsche Forschung, Technologien und Innovationen interessiert, in diesen Dialog einsteigen und ihn mitgestalten kann.

Ich wünsche mir, dass die wissenschaftliche Zusammenarbeit in der Zukunft als partnerschaftlicher Dialog weitergeführt wird, dass wir so viele Synergieeffekte und Entwicklungsmöglichkeiten nutzen wie möglich, und dass Deutsche und Russen weiter über die Zusammenarbeit im Dienst der Wissenschaft zueinander finden. Die Botschaft wird weiterhin, z.B. über die Alumni-Betreuung, ihren Beitrag dazu leisten, dass sich die deutsch-russische Wissenschaftsgemeinschaft noch stärker vernetzt, voneinander lernt und miteinander kooperiert. Das kommende Deutschlandjahr in Russland sowie das deutsch-russische Themenjahr „Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung“ bieten da sehr gute Anknüpfungspunkte. Ich freue mich darauf, weiter so engagierte Menschen zu treffen, die an der Basis, von den Graswurzeln her, an guten deutsch-russischen Beziehungen arbeiten!

Offizielle Website des Deutsch-Russischen Jahres der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2018-2020

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