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Brief von Botschafter von Geyr an deutsche Landsleute in Russland vom 23. März 2020

23.03.2020 - Artikel

Botschafter von Geyr im Landsleutebrief zur aktuellen Lage in Bezug auf Covid-19 und den Auswirkungen in Deutschland und Russland.

Liebe Landsleute,

Botschafter Dr. Géza Andreas von Geyr
Botschafter Dr. Géza Andreas von Geyr© Nikita Markov

seit Wochen und Monaten halten uns der Virus COVID-19 und seine Auswirkungen in Atem, in Deutschland ebenso wie hier in Russland, ja in der ganzen Welt.

Die Flut der Informationen, Meldungen, Daten und Analysen ist überwältigend und eine klare Einordnung, gar eine präzise Prognose fällt schwer.

Ich möchte Ihnen heute die Lage, die sich mit großer Dynamik entwickelt, aus Sicht Ihrer Botschaft darstellen.

Wir wissen, dass diese Herausforderung vorübergehen wird, aber wir wissen nicht, wie lange es noch dauern wird. Und wir wissen nicht, wie intensiv die Menschen wo betroffen sein werden.

Die COVID-19-Pandemie breitet sich nach China derzeit vor allem in West- und Südeuropa rasant aus, mit Deutschland als einem ganz besonders betroffenen Land. Und auch viele andere Länder und Kontinente sind bereits betroffen, in unterschiedlicher Intensität und zeitlicher Abfolge. Angesichts der enorm steigenden Zahl von Ansteckungen und Erkrankungen muss, so ist die Bundesregierung überzeugt, alles getan werden, um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen und einzudämmen.

Deshalb hat das Auswärtige Amt eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen und die Europäische Union ein grundsätzliches Einreiseverbot für Nicht-EU-Bürger. Beidem liegen detaillierte Regelungen zugrunde. Sollten Sie aus oder nach Deutschland reisen wollen, informieren Sie sich bitte unbedingt vorher auf der Webseite

Grundsätzlich gilt für die nächste Zeit, dass von nicht zwingend notwendigen Reisen Abstand genommen werden sollte – im Interesse Ihrer eigenen Gesundheit und der Gesundheit anderer.

Die vielfältigen Maßnahmen, mit denen in Deutschland und in vielen anderen Ländern dieser Tage das gesellschaftliche Leben auf das notwendige Minimum begrenzt wird, verfolgen Sie gewiss über die Medien. Auch hier ist das Ziel klar: weniger direkte Kontakte und damit weniger Übertragungsmöglichkeiten. Dies bedeutet ganz erhebliche Einschnitte in das tägliche Zusammenleben der Menschen, in Gewohnheiten und Begegnungen, und auch in das Wirtschaftsleben.

Dies sind Einschnitte, die jeden und jede Einzelne betreffen und deren Mitmachen verlangen.

Jeder kann, ja muss nun seinen Beitrag leisten, damit möglichst Wenige leiden müssen.

Der Bundespräsident, die Bundeskanzlerin, der Bundesaußenminister und viele Persönlichkeiten aus Staat, Politik, Wirtschaft, Kunst, Wissenschaft, Kultur und Sport haben an die Mitbürger appelliert, sich unbedingt an die nun nötigen Regeln zu halten.

Dies mag dem Einzelnen zunächst schwer fallen – aber es entstehen bereits neue Formen des Miteinanders, des Gemeinschaftsgefühls, das auch bei weniger unmittelbaren Begegnungen möglich und wichtig ist.

So, davon bin ich überzeugt, wird eine neue Art der Solidarität entstehen, in unseren Ländern und gewiss auch über die Grenzen hinweg. Dies wird hoffentlich dazu führen, dass diese Herausforderung möglichst rasch und ohne allzu viel Leid gemeistert wird.

Unser Gastland Russland ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern gemäß offizieller Statistiken von bestätigten COVID-19-Infektionen noch in geringerem Maße betroffen – allerdings in den letzten Tagen mit stark steigender Tendenz. Wir als Botschaft verfolgen gemeinsam mit den vier deutschen Generalkonsulaten in St. Petersburg, Jekaterinburg, Nowosibirsk und Kaliningrad die Entwicklung vor Ort sehr genau und stimmen uns auch im Kreis der hier tätigen deutschen Einrichtungen und unserer Partner engstmöglich ab.

Die russische Regierung und die lokalen und regionalen Behörden sind derzeit dabei, die Regeln zu allen Lebensbereichen, die von der Ausbreitung des Virus betroffen sind, der ernster werdenden Lage anzupassen. Änderungen können sehr schnell und ohne lange Vorlaufzeit erfolgen. Dies gilt insbesondere auch für Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen und alle gesundheitsrelevanten Fragen und auch für die Ausreisemöglichkeiten aus Russland.

Wir und unsere Partner sind auch hier um einen möglichst engen Informationsaustausch mit den zuständigen russischen Behörden bestrebt.

Ich bitte Sie daher, die Reise- und Sicherheitshinweise der Botschaft und der Generalkonsulate, die wir laufend aktualisieren, genau zu verfolgen, gerade auch im Hinblick auf eventuelle Einschränkungen. Da auch viele falsche und ungenaue Meldungen im Umlauf sind legen wir besondere Sorgfalt darauf, nur valide belegte Regelungen wiederzugeben.

So müssen Sie insbesondere bei einer Einreise aus dem Ausland nach Russland bereits jetzt mit einem medizinischen Check rechnen und einer verpflichtenden 14-tägigen Selbstisolierung. Es ist davon auszugehen, dass Russland bei einer sich verstärkenden Infiziertenzahl rasch noch weitergehende Maßnahmen ergreifen wird und deren Umsetzung strikt kontrolliert. Die Flugverbindungen der Aeroflot nach Berlin bestehen bislang weiterhin täglich. Zwar hatte auch am Scheitelpunkt der Pandemie in China Aeroflot den Flugbetrieb dorthin bedient, doch könnte es auch hier zu kurzfristigen Änderungen kommen.

Befolgen Sie bitte unbedingt die Anordnungen der Behörden, die zum Schutz gegen eine weitere Ausbreitung des Corona-Virus getroffen werden: rospotrebnadzor.ru

Und ich möchte ich Sie auch bitten, sofern Sie es nicht bereits getan haben, sich im Internet in die Krisenvorsorgeliste ELEFAND der Botschaft Moskau oder der für Sie zuständigen Generalkonsulate einzutragen. Bitte werben Sie auch in Ihrem Bekanntenkreis dafür, ELEFAND zu nutzen, damit der Kontakt mit Ihnen – falls erforderlich – rasch hergestellt werden kann: elefand.diplo.de

Auch wir an der Botschaft und an den Generalkonsulaten passen uns den unbedingten Prioritäten an und stellen unsere Lebens- und Arbeitsweise für eine Weile um. Wir haben Anwesenheiten in den Vertretungen reduziert, viele Kolleginnen und Kollegen arbeiten vernetzt aus dem ‚Home Office‘. Wir haben die Zugangsmöglichkeiten zu den Kanzleigebäuden eingeschränkt und nehmen auch selbst in Kauf, auf Reisen, Treffen, Begegnungen und Besuche zu verzichten. Auch die anderen in Russland arbeitenden deutschen Organisationen und Einrichtungen gehen einen vergleichbaren Weg.

Seien Sie aber versichert, dass wir unsere Aufgaben, soweit möglich, weiterhin wahrnehmen, insbesondere die konsularische Betreuung der Deutschen in unseren Amtsbezirken.

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Botschaft, wie auch unserer Generalkonsulate, stehen auch unter diesen einschränkenden Umständen, für die wir bereits jetzt um Verständnis und Geduld bitten, für Ihre Fragen gerne zur Verfügung. Sie erreichen uns unter der Email-Adresse sowie unter der Telefonnummer +7 495 937 9500.

Gewiss haben viele von Ihnen den eindringlichen Appell der Bundeskanzlerin in ihrer Fernsehansprache gesehen: die vorbeugenden Maßnahmen der Hygiene und der unbedingten Zurückhaltung bei sozialen Kontakten ernsthaft und konsequent zu achten. Dies sollten auch wir Deutsche hier in Russland uns zu Herzen nehmen.

Bereits jetzt danken möchte ich Ihnen für eine besonnene, verantwortungsbewusste Haltung, die an die eigene Gesundheit ebenso denkt, wie an die Gesundheit der anderen, mit denen wir zusammen leben – in einer Familie, in einem Haus, in einer Stadt, in einem Land. Je disziplinierter alle in dieser schwierigen Zeit handeln, umso rascher und erträglicher wird sie vorübergehen.

Mit besten Grüßen und bleiben Sie gesund!

Ihr
Géza Geyr


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