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„Klimaschutz und Nachhaltigkeit“ - Rede von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller bei der 12. Deutsch-Russischen Rohstoff-Konferenz

Bundesentwicklungsminister Gerd Mueller

Bundesentwicklungsminister Gerd Mueller, © Michael Gottschalk/photothek.net

28.11.2019 - Rede

Rede von Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bei der 12. Deutsch-Russischen Rohstoff-Konferenz am 28. November 2019 an der St. Petersburger Bergbau-Universität.

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrter Herr Vizeministerpräsident Dr. Godejew,
sehr geehrter Herr Gouverneur Beglov,
sehr geehrter Herr Prof. Dr. Litwinenko,
sehr geehrte Damen und Herren aus der deutschen und russischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik,

Es ist mir eine große Ehre und Freude, heute auf der 12. Deutsch-Russischen Rohstoff-Konferenz zu Ihnen sprechen zu dürfen.

Jahrhunderte Geschichte, Schicksal, Kriege und Partnerschaft verbinden Deutschland, Europa und Russland. Ich war in diesem Jahr in Woronesch und gedachte dort mit russischen Veteranen der Millionen Gefallenen – russische, aber auch deutsche Soldaten. Mein Vater war als Soldat in Stalingrad und überlebte. Er empfand stets Dank und Anerkennung für die russische Bevölkerung und deren Hilfsbereitschaft.
Nie wieder Krieg ist der Auftrag unserer Generation!

2020 können wir auf 75 Jahre Frieden und Zusammenarbeit zurückblicken. Russland ist ein stolzes, ein großes Land, das größte Land des Planeten. Gemeinsam sollten wir zusammenarbeiten und gestalten, eine gemeinsame Zukunft in Frieden und Partnerschaft in Europa. Die Welt hat sich verändert.

Heute, auf den Tag genau vor 190 Jahren, am 28. November 1829, hielt einer der größten Gelehrten des Planeten, Alexander von Humboldt, an der Petersburger Akademie der Wissenschaften einen bedeutenden Vortrag.

Er führte damals schon aus:
„Es gibt Veränderungen, die der Mensch auf der Oberfläche der Kontinente erzeugt, indem er Wälder abholzt, die Verteilung des Wassers verändert, und in den Zentren der Industriekulturen große Mengen von Dämpfen und Abgasen in die Atmosphäre bläst.“

Sein Resümee war:
„Diese Veränderungen sind ohne Zweifel wichtiger als man allgemein annimmt.“

Vor 190 Jahren hat Alexander von Humboldt als erster Wissenschaftler den Klimawandel benannt. Damals lebten etwa 1 Mrd. Menschen auf der Erde. Heute, knapp 4 Generationen später, sind es fast 8 Mrd. Täglich wächst die Weltbevölkerung um 250.000 Menschen, einmal im Jahr um 80 Millionen Menschen, davon 2/3 Drittel in den Entwicklungsländern, und insbesondere in Afrika. Afrika wird seine Bevölkerungszahl bis zum Jahr 2050 verdoppeln. Präsident Putin hat die Bedeutung Afrikas beim Russland-Afrika-Gipfel vor kurzem betont.

Die wachsende Weltbevölkerung stellt uns alle global vor neue Herausforderungen. Es ist dies zum einen die Sicherung der Welternährung. Um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, ist bis zum Jahr 2050 eine Steigerung der Produktion von 50 % notwendig.

Die zweite große Herausforderung ist die global steigende Nachfrage nach Energie. Mit der Energiefrage in engem Zusammenhang steht die Lösung der Ressourcenfrage und des Klimaschutzes und der Reduzierung der Treibhausgas- Emissionen.

Es ist von großer Bedeutung, dass Russland dem Weltklimavertrag beigetreten ist. Russland wird als aktiver Partner zur Lösung der Welternährungs- und der Weltklimafrage gebraucht.

Es ist besonders zu begrüßen, dass sich die diesjährige Konferenz mit aktuellen Fragen und Perspektiven der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit im Energie- und Rohstoffsektor und bilateralen Kooperationsprojekten befasst:

• den Aufbau einer deutsch-russischen Nachhaltigkeitspartnerschaft
• die klimafreundliche Transformation der Energiesysteme in beiden Ländern
• den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft und den Ausbau deutsch-russischer Kooperationen zwischen den Regionen und den Hochschulen.

Sehr geehrter Herr Gordejew, meine sehr verehrten Damen und Herren, Deutschland hat großes Interesse am Ausbau der Kooperationen zur Modernisierung der Wirtschaft und zur Stärkung einer nachhaltigen ressourcenschonenden Energiepolitik und Wirtschaftsentwicklung.

Neue Technologien zeigen uns den Weg in eine ressourcen- und klimaschützende Zukunft.  Ich nenne das große Feld der digitalen Transformation für die Rohstoffindustrie, den Smart Mining Market, den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft, und die Rückgewinnung von Rohstoffen, den Aufbau einer modernen Abfallinfrastruktur, moderne Rekultivierungsmethoden im Bergbau, oder die deutsch-russische Kooperation bei Wasserstoff- und Co2-neutralen Kraftstoffen.

Wir brauchen Technologiesprünge, zur Reduzierung der Emissionen und der Begrenzung der Umwelt- und Klimarisiken, auch im Bergbau und in der Weiterverarbeitung von mineralischen Rohstoffen:
• Russland versorgt große Teile der Welt mit Öl und Gas, ebenso mit Kobalt, Nickel, Aluminium.
• Russland liefert einerseits Rohstoffe für nachhaltige und klimafreundliche Technologien.
• Andererseits wissen wir alle, dass die Herstellung heute noch hohe Umweltbelastungen mit sich bringt.

Ich kenne die Situation in afrikanischen Ländern in der Minen- und Bergbauwirtschaft.
Und es sollte unser gemeinsames Ziel sein, neue Technologien zu entwickeln zum Schutz von Mensch und Umwelt durch die Reduktion der Emissionen.  Uns allen ist klar: die Welt ist ein globales Dorf geworden. Wir sitzen alle in einem Boot, und so sind die Auswirkungen des Klimawandels nicht nur in Afrika, sondern auch in Europa und in Russland spürbar und wirtschaftlich messbar:
• Die extremen Wetterereignisse nehmen zu und verursachen hohe wirtschaftliche Schäden.
• Im Sommer 2018 regnete es monatelang nicht.
• In diesem Sommer sahen wir brennende Wälder in Sibirien.
• Die Ernten fallen geringer aus.

Alexander von Humboldt hat auf die Folgen des Klimawandels vor 190 Jahren in Sankt Petersburg hingewiesen.

Präsident Wladimir Putin hielt am 25. September 2001 eine historische Rede im Deutschen Bundestag, der ich beiwohnen durfte. Ich zitiere den Präsidenten:
„Nur eine umfangreiche und gleichberechtigte gesamteuropäische Zusammenarbeit kann einen qualitativen Fortschritt bei der Lösung solch großer Probleme wie Umweltverschmutzung bewirken.“

Das ist 18 Jahre her und heute richtiger wie jemals zuvor. Also, lasst uns anknüpfen an eine gesamteuropäischen Zusammenarbeit beim Umweltschutz, beim Ressourcenschutz, beim Klimaschutz und lasst uns all unsere Möglichkeiten nutzen.

Zur Erreichung der Pariser Klimaschutzziele und der Reduzierung der Erderwärmung auf unter 2 Grad geht es um Vermeidung von Treibhausgas-Ausstoß, um Reduzierung, aber auch um Anpassung und Erhaltung großer Klimaschutz-Potenziale wie der borealen Urwälder – die riesigen Waldgebiete Russlands: Die russischen Torfmoore, die zusammen doch so viel Co2 speichern wie alle Wälder der Erde zusammen.

Wir arbeiten erfolgreich in Wissenschaft und Forschung zusammen und wollen dies ausbauen, z.B. in der Klima- und Arktisforschung haben russische Wissenschaftler enormes Wissen bei der Frage, wie sich das Auftauen der gefrorenen Permafrostböden auf das Klima auswirkt.

Deutschland und Russland verbindet nicht nur eine wichtige Energie- und Rohstoff-Partnerschaft. Das deutsch-russische Handelsvolumen betrug im Jahr 2018
61,9 Mrd. Euro. Heute sind in Russland 4500 Unternehmen mit deutschem Kapitalanteil aktiv und investieren im Land. Die Auslandshandelskammern in Moskau und in Sankt Petersburg haben jeweils mehr als 800 Mitglieder.

Das deutsch-russische Rohstoffforum ist ein wichtiger Rahmen, diese Zusammenarbeit weiter auszubauen und zu vertiefen.

Russland ist zum Schutz der globalen Güter des Planeten zur Sicherung der Welternährung, zum Schutz des Klimas ein global entscheidender Partner.

Ich wünsche mir Frieden und eine erfolgreiche Zusammenarbeit unserer Länder in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft!


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