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Geschäftsträgerin a.I. Frau Beate Grzeski aus Anlass der Eröffnung der Ausstellung „Das Jahr 1939. Der Anfang des Zweiten Weltkriegs“:

Geschäftsträgerin a.I. Frau Beate Grzeski aus Anlass der Eröffnung der Ausstellung „Das Jahr 1939. Der Anfang des Zweiten Weltkriegs“

Geschäftsträgerin a.I. Frau Beate Grzeski aus Anlass der Eröffnung der Ausstellung „Das Jahr 1939. Der Anfang des Zweiten Weltkriegs“, © Deutsche Botschaft Moskau

21.08.2019 - Rede

Ansprache der Geschäftsträgerin a.I. Frau Beate Grzeski aus Anlass der Eröffnung der Ausstellung „Das Jahr 1939. Der Anfang des Zweiten Weltkriegs“, am 20.08.2019

Sehr geehrter Herr Minister Lawrow,
sehr geehrter Herr Direktor Artisow,
sehr geehrter Herr Vorsitzender der Russischen Historischen Gesellschaft Naryschkin,
meine Damen und Herren,

ich bin dankbar, einige Worte zur heutigen Ausstellungseröffnung sagen zu können.

Nach der Ausstellung zum Münchener Abkommen im vergangenen Jahr ist dies die zweite Ausstellung in Moskau, die sich mit einem der dunkelsten Kapiteln der deutschen Vergangenheit beschäftigt: dem Weg in den Krieg 1939. Dieser Krieg ist das Ergebnis einer  ungezügelten Machtpolitik des Deutschen Reiches. Mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Prag im März 1939 war die „Appeasement“-Politik der Westmächte gescheitert, spätestens damit hatte Hitler sein wahres Gesicht gezeigt. Es folgten die – schließlich gescheiterten – Verhandlungen zwischen Frankreich, Großbritannien und der Sowjetunion über ein Abkommen, um die sich immer deutlicher abzeichnenden Kriegspläne Hitlers noch zu stoppen. Stattdessen kam es zu der Verständigung zwischen Hitler und Stalin, zulasten Dritter und über das Völkerrecht hinweg. Der Hitler-Stalin-Pakt gab Hitler endgültig freie Hand den Kontinent mit Zerstörung und Vernichtung zu überziehen. Weniger als zwei Jahre dauerte es dann bis zum deutschen Angriff auf die Sowjetunion.

Die Ausstellung zeigt das diplomatische Ringen jener letzten Friedenswochen 1939 und die brutale Machtpolitik sehr anschaulich. Ich danke den Ausstellungsmachern, dies der interessierten Öffentlichkeit in Erinnerung zu rufen. Denn heute, 80 Jahre später, bleibt es unsere Aufgabe, dieser üblen Zeit zu gedenken und ihre Lehren wachzuhalten.

Dazu gehört die Erinnerung an das Leid, das als Folge des Hitler-Stalin-Pakts maßgeblich über unsere gemeinsamen Nachbarn in Polen und im Baltikum hereinbrach.

Dazu gehört die Erinnerung an die ungeheuren Opfer, die maßgeblich die Völker der Sowjetunion für die Überwindung des Nationalsozialismus erbracht haben.

Es verbietet sich, diese historischen Tatsachen zu relativieren.

Für uns Deutsche ist die Erinnerung an den 23. August 1939 untrennbar verbunden mit dem 22. Juni 1941 und dem gnadenlosen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Für uns gehört zu den Lehren aus der Geschichte die Verantwortung, nie wieder Sprachlosigkeit und blinde Feindschaft zu Russland zuzulassen.

Dazu gehört ferner die Lehre, dass internationale Politik nicht von Willkür und Gewalt bestimmt sein darf. Es darf kein Recht des Stärkeren geben, sondern nur die gemeinsam verteidigte Stärke des Rechts.

Eine wichtige Lehre schließlich ist, dass Deutsche und Russen auch heute eine große gemeinsame Verantwortung haben für den Frieden und das Wohlergehen unseres Kontinentes.

Der Blick auf die gemeinsame Geschichte, so schmerzlich er oft ist, ist notwendig. Ein gutes und friedliches Miteinander erfordert vor allem die Bereitschaft und Fähigkeit zu einem offenen, ehrlichen und konstruktiven Dialog – erst recht in Zeiten politischer und völkerrechtlicher Meinungsunterschiede. Das gemeinsame deutsch-russische Geschichtsbuch, das in seinem 3. Band vor wenigen Wochen im russischen Außenministerium vorgestellt werden konnte, führt die jeweiligen Perspektiven zusammen und zeigt Verbindungen auf, ohne dabei zum Teil tiefgreifende Differenzen zu verschweigen. Dies macht diese Trilogie und den auch heute weitergehenden Dialog zu einem überaus wertvollen Beitrag zur Aufarbeitung unserer Geschichte und zu den deutsch-russischen Beziehungen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

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